„Wir müssten mal wieder was posten.“ Wenn das der Plan ist, wird es schwierig. Dann entsteht Content, wenn Zeit ist – und Zeit ist in einem Betrieb fast nie. Eine Content-Strategie beantwortet die Fragen vorher: Was willst du erreichen, bei wem, mit welchen Themen, wo und wie oft? Der Redaktionsplan ist dann nur noch die Umsetzung: wann, was, von wem.
Dass das selbst Profis schwerfällt, zeigt die Branchenstudie des Content Marketing Institute: Von 980 befragten B2B-Marketern hielten 2024 nur 29 % ihre Content-Strategie für sehr oder extrem wirksam. Die häufigsten Gründe für schwache Strategien: unklare Ziele (42 %), kein Bezug zum Weg des Kunden bis zum Kauf (39 %), keine Datenbasis (35 %) und zu wenig Wissen über die Zielgruppe (29 %). Für 2026 nennen die Befragten als größte Herausforderungen Inhalte, die zu einer Handlung führen (40 %), fehlende Zeit, Leute und Budget (39 %) und die Erfolgsmessung (33 %). Das sind überwiegend nordamerikanische Unternehmen – aber die Probleme kennt jeder Inhaber.
Hier sind sechs Schritte, die genau diese Lücken schließen.
Schritt 1: Ein Ziel festlegen – eins
Content kann vieles: Anfragen bringen, Bewerbungen auslösen, dich in der Region bekannt machen, Stammkunden binden. Aber nicht alles gleichzeitig. Leg ein Hauptziel für die nächsten drei Monate fest und formuliere es so, dass du es überprüfen kannst: „Fünf Anfragen pro Monat, die sich auf Inhalte beziehen“ statt „mehr Sichtbarkeit“.
Schritt 2: Zielgruppe und ihre Fragen sammeln
Beschreib deine Wunschkunden nicht mit Alter und Wohnort allein, sondern mit ihren Fragen. Der US-Unternehmer Marcus Sheridan hat dafür die „Big 5“ geprägt – die Themen, zu denen Kaufinteressenten recherchieren, bevor sie anfragen:
- Kosten: Was kostet das, und wovon hängt der Preis ab?
- Probleme: Was kann schiefgehen, für wen ist das nichts?
- Vergleiche: Variante A oder B, selbst machen oder machen lassen?
- Bewertungen: Wie war es bei anderen?
- Das Beste: Welche Lösung passt für welchen Fall?
Schreib zwei Wochen lang jede Frage auf, die dir Kunden am Telefon, im Laden oder per WhatsApp stellen. Das ist deine wichtigste Themenquelle.
Schritt 3: Drei bis vier Themensäulen
Ordne die Fragen in drei bis vier feste Themenbereiche. Für einen Handwerksbetrieb könnten das sein: Fachwissen („Woran erkenne ich …?“), Einblicke in die Arbeit, Kundenstimmen und das Team. Für eine Personal Brand: deine Methode, deine Meinung zu Branchenthemen, Fälle aus der Praxis und persönliche Einblicke.
Einblicke in die Arbeit sind keine Nebensache. In einem Feldexperiment bewerteten Gäste die Qualität des Essens um 22,2 % besser, wenn sie und die Köche sich gegenseitig sehen konnten – und die Zubereitung ging sogar schneller (Buell, Kim & Tsay 2017). Wer zeigt, wie viel Arbeit in etwas steckt, macht den Wert sichtbar.
Schritt 4: Kanäle wählen – dort, wo deine Kunden sind
Nicht jeder Kanal passt zu jedem Betrieb. Die ARD/ZDF-Medienstudie gibt einen guten Überblick, wie Menschen in Deutschland Social Media nutzen. 2026 nutzten 40 % der Menschen ab 14 Jahren Instagram mindestens wöchentlich, 28 % Facebook, 18 % TikTok und 8 % LinkedIn. Entscheidend sind die Altersgruppen – hier die Werte von 2025:
| Plattform | 14–29 Jahre | 30–49 Jahre | 50–69 Jahre |
|---|---|---|---|
| 77 % | 54 % | 24 % | |
| 26 % | 48 % | 29 % | |
| TikTok | 50 % | 24 % | 7 % |
Anteil, der die Plattform mindestens wöchentlich nutzt. Quelle: ARD/ZDF-Medienstudie 2025.
Für die meisten lokalen Betriebe sind Instagram und das Google-Unternehmensprofil die Basis. Wer vor allem Geschäftskunden hat, kommt an LinkedIn kaum vorbei – mehr dazu in Personal Branding: Bedeutung, Beispiele und erste Schritte. Lieber zwei Kanäle richtig als fünf halb.
Schritt 5: Einen Rhythmus wählen, den du durchhältst
Wie oft solltest du posten? Instagram-Chef Adam Mosseri sagt sinngemäß: Es gibt keine allgemeingültige Zahl. Häufiger posten hilft der Reichweite, aber ein Rhythmus, der zum Ausbrennen führt, bringt nichts. Eine Datenanalyse von Buffer über rund 2,1 Millionen Instagram-Beiträge von 102.000 Konten passt dazu: Wer drei bis fünf Mal pro Woche postete statt ein bis zwei Mal, wuchs schneller und erreichte pro Beitrag im Schnitt 12 % mehr Menschen. Danach wurde der Zusatznutzen kleiner. Das sind Zusammenhänge aus Anbieterdaten, kein Beweis – aber ein brauchbarer Richtwert.
Drei Hinweise aus Instagrams eigenen Aussagen:
- Die wichtigsten Signale sind laut Mosseri Wiedergabezeit, Likes und das Teilen per Direktnachricht. Frag dich bei jedem Beitrag: Würde jemand das weiterleiten?
- Instagram bevorzugt Originalinhalte. Wer fremde Inhalte nur neu postet, verliert Reichweite.
- Videos mit Wasserzeichen anderer Apps werden seltener empfohlen. Lade das Original hoch, nicht den TikTok-Export.
Schritt 6: Messen und einmal im Monat nachjustieren
Wähle pro Ziel ein bis zwei Kennzahlen und schau sie dir monatlich an. Für „Anfragen“ zählen Anfragen, nicht Likes. Für „Bekanntheit in der Region“ zählen Reichweite bei Nicht-Followern und Profilaufrufe. Behalte, was funktioniert, und streiche, was nach drei Versuchen nichts bringt.
Experten-Tipp: Plan nicht Beiträge, sondern Aufnahmetage. Ein Interview von einer Stunde, in dem du zehn Kundenfragen beantwortest, liefert Material für Wochen: kurze Videos, Zitate, Fotos, einen Blogartikel. So entsteht Regelmäßigkeit, ohne dass du jeden Tag an Content denken musst.
Die Redaktionsplan-Vorlage
Ein Redaktionsplan braucht keine teure Software. Eine Tabelle mit diesen Spalten reicht – in Excel, Google Sheets oder auf Papier. Die Beispielzeilen zeigen einen ausgedachten Malerbetrieb:
| Datum | Kanal | Themensäule | Thema / Kundenfrage | Format | Wer | Status | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mo, 2.11. | Fachwissen | „Warum blättert meine Farbe ab?“ | Reel, 45 Sek. | Inhaber spricht, Azubi filmt | geplant | – | |
| Do, 5.11. | Google-Profil | Einblicke | Vorher/Nachher Treppenhaus | Beitrag mit 2 Fotos | Büro | geplant | – |
| Mo, 9.11. | Kundenstimmen | Kundin erzählt in 30 Sek. | Reel | Inhaber fragt | Freigabe der Kundin offen | – | |
| Do, 12.11. | Website | Fachwissen | „Was kostet ein Zimmer streichen?“ | Blogartikel | Inhaber + Agentur | in Arbeit | – |
Trag in die letzte Spalte nach zwei Wochen ein, was passiert ist: Reichweite, Nachrichten, Anfragen. Nach drei Monaten weißt du genau, welche Themen für deinen Betrieb funktionieren.
Strategie in einem Satz
Eine gute Content-Strategie passt auf eine Seite: ein Ziel, deine Kunden und ihre Fragen, drei bis vier Themensäulen, zwei Kanäle, ein Rhythmus, den du schaffst, und eine monatliche Kontrolle. Wenn dir trotzdem die Ideen ausgehen, hilft Content-Ideen für Unternehmen: 7 Wege. Und wenn du die Umsetzung lieber abgibst – von den Themen über Interviews bis zum fertigen Video –, sprich mit uns als Content- und Marketing-Agentur aus Ludwigshafen.
Quellen
- Content Marketing Institute: What Is Content Marketing?
- Content Marketing Institute (09.10.2024): B2B Content Marketing Benchmarks, Budgets, and Trends: Outlook for 2025
- Content Marketing Institute (08.10.2025): 2026 B2B Content and Marketing Trends
- IMPACT: The Big 5 Blog Article Topics („They Ask, You Answer“)
- Buell, Kim & Tsay (2017): Creating Reciprocal Value Through Operational Transparency, Management Science
- ARD/ZDF-Medienstudie 2026 – Media Perspektiven
- ARD/ZDF-Medienstudie 2025: Social Media zwischen Wachstum und Sättigung (Media Perspektiven 31/2025)
- RouteNote (06.12.2024): Mosseri zur Posting-Frequenz
- Buffer (13.08.2025): How Often Should You Post on Instagram? Data From 2 Million Posts
- Social Media Today (22.01.2025): Instagrams wichtigste Ranking-Signale
- TechCrunch (30.04.2024): Instagram bevorzugt Originalinhalte
- Instagram (2021): Shedding More Light on How Instagram Works
Stand: 20. Oktober 2026.
