Zehntausend Follower, Hunderte Likes pro Beitrag – und trotzdem klingelt das Telefon nicht öfter. Wenn dir das bekannt vorkommt, schaust du vermutlich auf Vanity Metrics: Zahlen, die gut aussehen, aber wenig darüber sagen, ob dein Betrieb davon lebt.
Hier erfährst du, woher der Begriff kommt, welche Social-Media-Zahlen besonders täuschen, warum gekaufte Follower ein schlechtes Geschäft sind – aus Sicht der Plattformen und des Rechts – und worauf du stattdessen schauen solltest.
Was sind Vanity Metrics?
„Vanity“ heißt Eitelkeit. Der Begriff stammt aus der Gründerszene: Der US-Unternehmer Eric Ries beschrieb Vanity Metrics 2009 in einem Gastbeitrag als Zahlen, die einem vielleicht ein gutes Gefühl geben, aber keine klare Orientierung, was zu tun ist. Als Beispiel nannte er die Gesamtzahl der Website-Zugriffe: Sie steigt oder fällt, aber niemand weiß, warum – und was daraus folgen soll.
Das Gegenstück nannte Ries „actionable metrics“, also handlungsrelevante Kennzahlen. Sie zeigen dir, dass es ein Problem gibt, und weisen die Richtung zur Lösung. Sein Grundsatz: Es lohnt sich nur, Zahlen zu erheben, die bei Entscheidungen helfen. In seinem Buch „The Lean Startup“ (2011) wurde daraus ein Kernanliegen – Fortschritt messen, ohne auf Vanity Metrics zurückzugreifen.
Ries schrieb für Start-ups, nicht für Friseure oder Malerbetriebe. Die Frage passt aber für jeden Betrieb: Hilft mir diese Zahl, etwas besser zu machen?
Welche Social-Media-Zahlen täuschen
- Follower: Die Zahl sagt nicht, wer dir folgt – Menschen aus deinem Einzugsgebiet, Kollegen aus der Branche, inaktive Konten oder Bots. Und sie sagt nicht, ob diese Menschen deine Beiträge überhaupt sehen.
- Likes: Likes sind die bequemste Reaktion. Instagram lässt seit Mai 2021 jeden selbst entscheiden, ob Like-Zahlen öffentlich angezeigt werden. In Tests hatte sich gezeigt: Ohne sichtbare Likes fühlten sich manche entlastet, andere waren genervt. Bei der Empfehlung von Beiträgen nennt Instagram Likes nur als eines von drei Hauptsignalen, neben Wiedergabezeit und Weiterleitungen per Direktnachricht.
- Aufrufe: Seit 2024 die Hauptkennzahl bei Instagram und Facebook. Wiederholungen zählen mit: Sieht eine Person ein Foto dreimal, sind das laut Facebook drei Aufrufe. 10.000 Aufrufe sind also nicht 10.000 Menschen – und schon gar nicht 10.000 Menschen aus deiner Stadt.
- Reichweite insgesamt: Laut Meta enthält die Reichweite im Konto auch Menschen, die deine Werbeanzeigen gesehen haben. Wer Beiträge bewirbt, sieht große Zahlen, die wenig über die Wirkung der Inhalte selbst verraten.
Warum Follower nicht gleich Kunden sind
Ein ausgedachtes Beispiel: Angenommen, ein Friseursalon in Ludwigshafen veröffentlicht ein lustiges Reel zu einem Trend-Sound. Es bekommt 200.000 Aufrufe und 1.000 neue Follower, die meisten aus ganz Deutschland. Ein unscheinbares Video, in dem die Inhaberin erklärt, wie man eine Balayage nach drei Monaten auffrischt, kommt auf 1.500 Aufrufe – wird aber 40-mal weitergeleitet und bringt drei Terminanfragen. Welches Video gehört in den Monatsbericht?
Für lokale Betriebe gilt: Reichweite außerhalb des Einzugsgebiets bringt selten Kunden. Und selbst Follower aus der Nähe kaufen nicht automatisch. Zwischen „gefällt mir“ und „ich rufe an“ liegen Vertrauen, ein klarer nächster Schritt und ein Anlass. Wie dieser Weg aussieht, beschreibt Keine Kunden über Social Media? Der Weg vom Beitrag zur Anfrage.
Gekaufte Follower und Likes: Was die Plattformen sagen
Wer Zahlen kauft, macht aus einer Eitelkeitskennzahl eine Täuschung. Die großen Plattformen gehen dagegen vor:
- Instagram kündigte im November 2018 an, unechte Likes, Follows und Kommentare von Konten zu entfernen, die dafür Drittanbieter-Apps nutzen. Solche Apps verstoßen laut Instagram gegen die Gemeinschaftsrichtlinien und Nutzungsbedingungen.
- TikTok verbietet in seinen Community-Richtlinien den Handel mit Diensten, die Interaktionen künstlich steigern, etwa den Verkauf von Followern oder Likes. Unechte Follower und Likes werden entfernt.
- Meta erklärte im April 2025, Kommentare aus koordinierter Fake-Interaktion würden seltener angezeigt. Allein 2024 entfernte Meta nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen gefälschte Facebook-Seiten, die automatisiertes Folgen betrieben.
Abgesehen vom Risiko für dein Konto: Gekaufte Follower fragen nie an. Und sie verfälschen deine Statistiken – du weißt nicht mehr, welche Zahlen echte Menschen abbilden.
Und rechtlich?
Die EU hat 2019 mit der Richtlinie (EU) 2019/2161 klargestellt: Gewerbetreibenden soll untersagt sein, gefälschte Bewertungen und Empfehlungen von Verbrauchern, „etwa ‚likes‘ in sozialen Medien“, abzugeben oder in Auftrag zu geben, um für ihre Produkte zu werben (Erwägungsgrund 49). Im deutschen Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) steht im Anhang unter Nr. 23c als gegenüber Verbrauchern stets unzulässig: die Übermittlung oder Beauftragung gefälschter Bewertungen oder Empfehlungen von Verbrauchern sowie deren falsche Darstellung in sozialen Medien zu Zwecken der Verkaufsförderung.
Ob ein konkreter Kauf von Followern oder Likes im Einzelfall darunter fällt, ist eine juristische Frage – lass dich im Zweifel beraten. Was bei Kundenstimmen und Bewertungen erlaubt ist, steht in Social Proof im Marketing: Bedeutung, Beispiele und was wirklich wirkt.
Wann Reichweite trotzdem zählt
Vanity Metrics sind nicht wertlos – sie sind nur kein Ziel. Wenn du in deiner Region bekannter werden willst, ist Reichweite bei Menschen, die dich noch nicht kennen, eine sinnvolle Zahl. Entscheidend ist, ob du daraus etwas ableitest. Steigt die Reichweite, aber niemand ruft dein Profil auf, passt vermutlich das Thema oder der Einstieg nicht zu deinem Angebot. Dann ist die Zahl plötzlich handlungsrelevant.
Was stattdessen zählt
Schau auf Zahlen, die näher am Kauf liegen: Weiterleitungen und Speicherungen, Profilaufrufe und Link-Klicks, Anrufe und Routenanfragen im Google-Unternehmensprofil – und am Ende Anfragen und Aufträge. Welche Kennzahlen das genau sind und wie du sie in 20 Minuten im Monat prüfst, steht in Social-Media-Erfolg messen: Welche Kennzahlen für kleine Betriebe zählen.
Experten-Tipp: Stell jeder Zahl in deinem Monatsbericht eine Frage: „Was würde ich anders machen, wenn sie nächsten Monat nur halb so hoch wäre?“ Lautet die ehrliche Antwort „nichts“, ist es eine Vanity Metric. Streich sie aus dem Bericht und ersetze sie durch eine Zahl, die eine Entscheidung auslöst.
Fazit
Follower und Likes sind Applaus, keine Umsätze. Wer sie kauft, riskiert sein Konto und täuscht sich selbst. Wer stattdessen misst, was zu Anfragen führt, merkt schnell, welche Inhalte wirklich arbeiten. Wenn du Inhalte willst, die Vertrauen aufbauen statt nur Zahlen, sprich mit uns als Content- und Marketing-Agentur aus Ludwigshafen.
Quellen
- Tim Ferriss Blog (19.05.2009): Vanity Metrics vs. Actionable Metrics – Guest Post by Eric Ries
- Google Books: Eric Ries (2011): The Lean Startup, Crown
- Instagram (26.05.2021): Giving People More Control on Instagram and Facebook
- Social Media Today (22.01.2025): Instagrams wichtigste Ranking-Signale
- Social Media Today (14.11.2024): Facebook Switches to Views as Its Primary Metric
- Meta for Developers: Instagram Account Insights
- Instagram (19.11.2018): Reducing Inauthentic Activity on Instagram
- TikTok: Community-Richtlinien – Integrität und Authentizität (Fake Engagement)
- Meta (24.04.2025): Cracking Down on Spammy Content on Facebook
- EUR-Lex: Richtlinie (EU) 2019/2161, Erwägungsgrund 49
- Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, Anhang (zu § 3 Abs. 3), Nr. 23c
Stand: 20. Oktober 2026. Überarbeitete Fassung eines Artikels vom April 2026. Keine Rechtsberatung.
